Totengedenken 2018, am Fliegerdenkmal

Zum Totengedenken am Totensonntag trafen sich Mitglieder der Flugsportvereinigung Wächtersberg, sowie des 1. Aeroclubs Stuttgart, am Fliegerdenkmal auf dem Wächtersberg.
Anbei die Rede vom Christian Hentschel, in Vertretung des ersten Vorsitzenden der FSV Wächtersberg:

Liebe Fliegerkameraden, liebe Kameraden vom Aeroclub, liebe Gäste,

vielen Dank, dass ihr gekommen seid. Heute ist Totensonntag. Dieser Tag dient dem Andenken, der Trauer und dem Abschied von den Verstorbenen, dem Nachdenken über den Tod sowie dem Hoffen auf die Auferstehung nach dem Tod.

Der Totensonntag an unserem Fliegerdenkmal ist ja schon älter als manche unserer ältesten Fliegerkameraden. Man darf annehmen, dass er erstmalig im Jahr 1951 im Zusammenhang mit der Errichtung dieses Fliegerdenkmals stattgefunden hat. Sicher geschah das damals, weil im Krieg viele Kameraden unserer beider Vereine gestorben waren. Seitdem nehmen wir uns jedes Jahr die Zeit, einmal innezuhalten und bei aller Begeisterung für die Fliegerei daran zu denken, dass auch unsere Zeit endlich ist. Da mag es tröstlich sein, dass manche unserer Kameradschaften über den Tod hinaus Bedeutung haben, und auch, dass wir diese gemeinsame Erinnerungskultur pflegen. Deshalb möchte ich jetzt noch einmal an einige der Toten der letzten 10 Jahre erinnern:

2007: Herbert Reinhardt, Bruder von Roland Reinhardt, beim letzten schweren Flugunfall
2009: Josef Zeiser, der immer da war und zu unserem lebenden Inventar gehörte
2010: Karl-Otto Fauss, der Erhebliches zum Aufbau unseres Flugplatzes geleistet hat
2012: unser Sicherheitsbeauftragter Walter Enssle, gestorben bei einem Verkehrsunfall
2013: unser Fluglehrer Heinz Krebs, über ihn könnte man ein Buch schreiben
2016: Schorsch Neugebauer, Papa von Holger Neugebauer, treue Seele unseres Vereins
Letztes Jahr: unser passives Mitglied Gerhard Kummerer, für ihn war der Flugplatz sein Zuhause

Sie alle haben auf ihre Weise zu unserem Vereinsleben beigetragen, manche haben unseren Verein prägend mitgestaltet und einige haben Außergewöhnliches geleistet. Ihnen gebührt unser Dank und unser Respekt. Sie haben uns nicht nur einen wunderschönen Flugplatz, Gebäude und Flugzeuge hinterlassen. Fast noch wichtiger sind die Werte, die sie uns hinterlassen haben: Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft, Einsatzbereitschaft und Kameradschaft. Wir wissen ja, dass diese Werte in unserer modernen Gesellschaft an Bedeutung verloren haben. Aber wichtig sind sie immer noch.

Ich möchte einen kurzen Schwenk machen zum Thema Respekt. Da müssen wir leider feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, auch anders Denkenden und anders Gepolten den nötigen Respekt und auch die nötige Toleranz entgegen zu bringen. Das ist einerseits menschlich und andererseits unserem Vereinsleben abträglich. Wir haben uns wohl-durchdachte Leitlinien gegeben, auf die möchte ich bei der Gelegenheit nochmal hinweisen. Es genügt nicht, dass diese Leitlinien bei uns an der Wand hängen. Jeder von uns trägt mit seinem Verhalten Verantwortung dafür, dass unser Zusammenleben so funktioniert, wie wir uns das alle wünschen. Respekt für die Lebenden und die Toten, das gehört zusammen.

Es ist ja schon bekannt, dass ich meine Rede gern mit einem Gedicht abschließe. Heute also Hermann Hesse‘s Gedicht „Stufen“ zum Thema Abschied und Neubeginn:
Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

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