Im Zeitraum vom 02.04. bis 05.04. war wieder eine Gruppe von sechs Mitgliedern mit drei Flugzeugen vom Wächtersberg auf Ausflug über die Alpen gen Süden.
Das Wunschziel und der Zeitraum wurden bereits im Februar besprochen. Etwa eine Woche vor Beginn haben wir angefangen, uns intensiver mit dem Wetter zu beschäftigen. Die Wettervorhersage war gut – es konnte losgehen.
Erste Etappe nach Sondrio
Am Donnerstag, den 02.04., machten sich Nick, Benedikt, Jan und Leo in den Flugzeugen RF 5 (D-KABI) und RF5 Sperber (D-KATM) auf den Weg nach Sondrio (LILO).
Der Weg führte sie über den Bodensee bei Konstanz in die Schweizer Alpen, wo sie über St. Peterzell, den Stockberg und den Walensee in höheres Gelände einstiegen.
Von dort ging es weiter über das Linthal und die 3000er der Glarner Alpen zum Kistenpass, der das Linthal mit dem Vorderrhein verbindet. Anschließend führte die Route am Bruschghorn vorbei Richtung Lenzerheide und Tiefencastel. Von dort aus war der Julierpass das nächste Etappenziel, bevor es weiter ins Oberengadin ging – vorbei an St. Moritz und dem Silvaplanasee, zurück auf Westkurs dem Tal folgend.
Nach Maloja ging es weiter bis zum italienischen Lago di Mezzola. An Bergen vorbei, die bis zu 4.000 Meter NN in den Himmel ragen. Schließlich wurde wieder auf Ostkurs eingedreht und das Etappenziel Sondrio angeflogen.
Nach der Landung, dem Beschaffen eines Mietwagens und dem Check-in in der Unterkunft wurde der restliche Tag noch für einen Ausflug an den Comersee genutzt.
Da Timo und Celine am Donnerstag noch verhindert waren, folgten die beiden mit der vereinseigenen Super Dimona (D-KSFU) am Freitagmorgen.
Der Plan sah vor, dass sich die Gruppe in Sondrio zusammenfindet, gemeinsam frühstückt und anschließend als Formation aus drei Flugzeugen weiter nach Elba fliegt.
Celine und Timo wählten eine etwas direktere Route nach Sondrio. Diese führte über Friedrichshafen, Hohenems, Bad Ragaz, Chur, Lenzerheide, Tiefencastel und den Septimerpass – in nur 1:45 Stunden ans Ziel. Um kurz nach 09:00 Uhr lokal landeten sie in Sondrio.
Nächste Etappe: Sondrio nach Elba
Nach einem kurzen Tankstopp der FU und einem kleinen gemeinsamen Frühstück, direkt an den Flugzeugen, machte sich die Gruppe – neu verteilt – wieder auf den Weg:
Jan & Timo in der FU, Celine & Nick in der BI sowie Leo & Benedikt in der TM.
Nachdem alle drei Flugzeuge airborne waren, wurde die Formation eingenommen und gemeinsam Kurs auf Elba gesetzt.
Zunächst wurde ein Arm des Comer Sees komplett überflogen, anschließend ging es an die lange Überquerung der Po-Ebene. Vorbei an Bergamo und Mailand führte der Weg weiter Richtung Süden.
Über die nördlichen Ausläufer der Apennin – in diesem Bereich eher Mittelgebirge – ging es über hügeliges und stark bewaldetes Gebiet.
Weiter südlich präsentierten sich dann die höheren Berge der Apennin, teils deutlich über 2.000 m hoch und noch mit weißen Gipfeln, während sich gleichzeitig langsam das Mittelmeer ankündigte.
Vorbei an den gewaltigen Marmorsteinbrüchen von Fantiscritti und der Stadt La Spezia ging es hinaus aufs Wasser – und damit auch zur letzten Schlüsselstelle des Fluges: der Durchflug durch die riesige CTR (Kontrollzone) Pisa. Doch schon nach wenigen Minuten und mit deutlich weniger Aufwand als erwartet kam die Freigabe der Lotsen für unsere Formation – der befürchtete große Umweg konnte vermieden werden.
Nach dem Ausflug aus der CTR Pisa, deren Durchquerung fast 30 Minuten in Anspruch genommen hatte, konnte bereits Kurs auf Elba gesetzt werden.
Nach einer kurzen Ostumrundung der Insel begann bereits der Anflug. Der Türmer meldete 18 kt Wind auf die Bahn, Böen bis 25 kt – der Mistral, der bereits in den Südalpen aktiv war, hatte sich bis nach Elba durchgeschlagen. Der typische Nordwind erzeugte im Endanflug auf die Piste 34 die erwarteten Turbulenzen. Nach dem langen und bis dahin sehr ruhigen Flug wurden wir ordentlich durchgeschüttelt.
Nach der Landung wurden alle Flugzeuge aufgetankt und verzurrt. Anschließend erfolgte der Check-out aus dem Flugplatzgelände.
Der Flugplatz Elba Marina di Campo wird gelegentlich auch kommerziell angeflogen, sodass wir uns ganz regulär den Abläufen eines kleinen Verkehrsflughafens stellen mussten.
Außerhalb des Geländes angekommen, machten wir uns ein erstes Bild vom Flughafen, der bei unserer Anreise eher den Charme eines „Lost Place“ hatte. Die kleine Abfertigungshalle war vorhanden – allerdings befanden sich alle Geschäfte noch im „Winterschlaf“.
Nach der kurzen Erkundung ging es zu Fuß zur Unterkunft. Dort wurden die Zimmer bezogen und mit den bereitstehenden Fahrrädern einkaufen gefahren.
Nach der Rückkehr folgte die nächste positive Überraschung: Unser Fliegerfreund Matthias K. war bereits einige Tage zuvor mit seiner 300 PS starken Piper Malibu angereist und stattete uns gemeinsam mit seiner Familie einen spontanen Besuch ab. Wir verabredeten uns für den Abend mit Matthias und seiner Familie zu einem gemeinsamen Abendessen.
Vorher musste allerdings noch der Pool getestet werden.
Der Vermieter hatte zwar angemerkt, dass 15°C Wassertemperatur aus seiner Sicht nicht unbedingt badetauglich seien, das hielt uns aber nicht davon ab ein Bad zu nehmen. Mit leicht amüsiertem Kopfschütteln beobachtete er unsere Badeversuche. Nachdem jeder einmal im Wasser war, war auch klar: 15°C Wassertemperatur plus Mistral sind zumindest nicht gerade warm…
Im Anschluss machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Restaurant. Dieses lag an einer wunderschönen Bucht mit traumhaftem Sandstrand – in direkter Verlängerung des Flugplatzes. Dort verbrachten wir einen sehr schönen Abend gemeinsam mit Matthias und seiner Familie, bei gutem Essen und vielen Geschichten rund ums Fliegen. Nach dem Essen ging es für die Gruppe noch weiter Richtung Hafen, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen und die Aktivitäten für den Folgetag zu besprechen.
Dabei wurden wir völlig unerwartet noch Zeuge einer großen Osterprozession, die durch den Ort zog – ein eindrucksvolles Erlebnis, mit dem wir so nicht gerechnet hatten.
Samstag – „Landtag“
Am Samstag ging es für uns bereits früh weiter. Wir hatten beschlossen, den Samstag als vollständigen „Landtag“ zu nutzen, und Matthias war so freundlich gewesen, für uns beim lokalen Rollervermieter anzurufen und „Spezialkonditionen“ zu vereinbaren – vielen Dank an dieser Stelle nochmals!
So machten wir uns dann mit fünf ordentlich motorisierten Rollern auf den Weg, die Insel zu erkunden.
Erstes Ziel war die Talstation der Seilbahn auf den Monte Capanne, mit 1.017 m der höchste Berg der Insel.
Geplant war die Auffahrt mit den bekannten „1-Mann-Steh-Gondeln“ – leider hatte die Anlage ausgerechnet an diesem Tag wegen Revisionsarbeiten geschlossen. Also ging es auf den Rollern weiter. Die Inselerkundung war purer Genuss: enge Passstraßen, Pinienwälder und schroffe Küstenabschnitte.
Bei einer Rast, über 200 m über dem Meer, konnten wir unten im Wasser sogar eine Gruppe Delfine beobachten – offensichtlich auf der Jagd. Ein weiteres Highlight der Tour.
Da 15°C Wassertemperatur im Pool offenbar noch nicht abschreckend genug waren, wurde im späteren Tagesverlauf auch noch ein windgeschützter Strand ausfindig gemacht. Natürlich musste auch das Meer „angebadet“ werden. So kamen wir in den „Genuss“, im Meer zu baden und dabei einen klaren Blick auf die noch schneebedeckten, fast 3.000 Meter hohen Gipfel der Insel Korsika zu genießen.
Nach einem frühen Abendessen in der kleinen Hafenstadt Procchio setzten wir uns am Abend in der Unterkunft nochmals zusammen, um den Heimflug am nächsten Tag durchzuplanen. Da wir am nächsten Tag wieder nach Hause flogen, ging es früh ins Bett.
Rückflug
Nach einer ruhigen Nacht und einem kurzen Frühstück sowie einem letzten Blick aufs Wetter ging es zurück zum Flugplatz.
Nachdem die Roller abgegeben und die Verwaltungsaufgaben erledigt waren, ging es zum Check-in.
Hier zeigte sich erneut, dass der Flugplatz Marina di Campo im Herzen doch ein Verkehrsflughafen sein möchte. Wir durchliefen eine Check-in-Prozedur eines großes Flughafens, nur deutlich kleiner und wurden anschließend die wenigen hundert Meter mit einer Art „Crewbus“ zu den Flugzeugen gefahren – auch das war ein Erlebnis.
Der Mistral hatte inzwischen nachgelassen, und die Bedingungen hätten für einen Start kaum besser sein können.
Die Crews verteilten sich wie folgt:
Celine & Timo in der FU
Nick & Jan in der BI
Benedikt & Leo in der TM
Nach kurzer Abstimmung entschieden wir uns trotz leichten Rückenwinds für einen Start auf der Piste 16. Der Abflug ist dort deutlich einfacher und sicherer, da er hindernisfrei über das Meer führt. Nach dem Start und einem kurzen Inselrundflug über die Westseite – mit Blick auf Elba und sogar bis nach Korsika – ging es wieder auf Nordkurs.
Die CTR Pisa wurde erneut problemlos durchquert. Über die Apennin ging es zurück in die Poebene – diesmal etwas turbulenter, als auf dem Hinweg.
Wie auf dem Hinweg auch, war die Poebene von einer Inversionschicht bedeckt. Und so konnten wir nur kurz, den sich nun öffnenden Alpenbogen, in seiner vollen Pracht bestaunen. Die Sicht reichte vom Gran Paradiso über den Monte Viso bis hin zum Mattherhorn und Mont Blanc und weit nach Osten. Spektakulär. Da die für uns erlaubte Flughöhe auf der Poebene deutlich innerhalb der Inversion lag verlor sich der Blick auf die Eisriesen der Alpen bereits nach wenigen Minuten.
Bald darauf tauchte die Skyline der Millionenmetropole Mailand aus dem Dunst auf – Ziel unseres ersten Legs: Flugplatz Milano/Bresso.

Zwischenstop Flugplatz Milano/Bresso
Nach problemloser Landung, Auftanken und einer kurzen Mittagspause wurden die Crews neu gemischt:
Benedikt & Celine in der TM
Jan & Timo in der FU
Nick & Leo in der BI
Die letzte Etappe des Rückflugs führte über den Lago Maggiore, vorbei an Locarno und weiter Richtung Gotthardpass. Vorbei am über 3.000 Meter hohen Pizzo Campo Tencia und dem Flugplatz Ambri ging es über den Gotthardpass und Andermatt nach Norden.
Über dem Vierwaldstättersee öffnete sich das Alpenvorland. Nach kurzer Zeit öffnete sich der Blick weiter auf den noch Schneebedeckten Feldberg und die Gipfel des Schweizer Juras, auf welchen ebenfalls noch kleine Schneekappen erkennbar waren.
Mit zunehmender Strecke machte sich jedoch starker Westwind bemerkbar, teils über 30 Knoten.
Da wir unter den Luftraumdeckel von Zürich hindurch mussten und damit nun sehr tief unterwegs waren, bekamen wir die, von dem starken Wind ausgelösten teils starken Turbulenzen, unmittelbar mit. Alle waren froh, als wir nach dem unterfliegen der TMA Zürich, wieder auf eine angenehmere Flughöhe zurückkehren konnten.
Nach Donaueschingen trennte sich die Formation: Die TM mit Benedikt & Celine flog nach Schwenningen, während BI und FU weiter Richtung Wächtersberg flogen.
Der Wind war auch zuhause präsent, allerdings deutlich schwächer als befürchtet, und so verliefen die Landungen letztlich entspannter als erwartet.
Nach der Landung wurden wir noch von Christl mit frischen Maultaschen versorgt – und so ging ein ereignisreicher und rundum gelungener Osterausflug zu Ende.
Timo Protzer





























