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AusFLUG nach Zell am See

Mit dem Herbst werden die Tage schnell kürzer und dennoch ist es möglich den Tag mit Eindrücken dermaßen vollzupacken, dass man noch am nächsten Tag mit dem Sortieren und Verdauen beschäftigt ist. Wie der Titel schon vorweggenommen hat sollte es, mit einigen Sehenswürdigkeiten auf dem Hin- und Rückweg, nach Zell am See gehen.

Es galt die nutzbare Zeit vom Sonnenuntergang um 18:51 Uhr zurückzurechnen und sich für die rechtzeitige Rückkehr entsprechende Meilensteine in den Tagesablauf zu setzen. Plan war Abflug um 9 Uhr, Tanken und Mittagessen am Zielflugplatz um 11:30. Rückflug um 14 Uhr, damit noch eine Zwischenlandung beim langen Rückflug gegen den Wind zeitlich drin ist.

Schon die ganze Woche vor dem Samstag, 07.Oktober, war absehbar und klar: jetzt ist die Gelegenheit gekommen, um Helmut’s Wunsch nach einem Flug zur Zugspitze, verknüpft mit meinem Wunsch der ersten Landung in Zell am See, umzusetzen. Kopfzerbrechen bereiteten mir die in den Vorhersagen enthaltenen teilweise starken westlichen Winde. Zwar waren es dann letzten Endes 5 bis 15 km/h Wind, am Boden wohlgemerkt. Daher hieß es: möglichst hoch fliegen, um mit viel Rückenwind zum Ziel zu kommen, so war nach einer Strecke von 417 Kilometern die Landung am Zielflugplatz nach 2 Stunden und 6 Minuten. Die Berechnung lag bei rund 2 ½ Stunden. Mit angezeigten 165 km/h gegenüber der umgebenden Luft, packte der Rückenwind schnell mal über 50  km/h drauf, sodass man schon mal über Grund mit 220 km/h unterwegs war. Aus 7.500 Fuß war zudem der Blick auf die im Nebel versteckte Bodenseeregion und dahinter liegenden Alpen grandios.

An Memmingen und Kempten vorbei ging es in den Sinkflug, um kurze Zeit später Schloss Neuschwanstein „aus der Nähe“ zu bewundern. An diesem Morgen zierte sich das sonst so fotogene Schloß ein wenig im Schatten und Dunst der Berge. Dann galt es auf über 3.000 Meter aufzusteigen, um die Zugspitze zu überfliegen. Aufgrund des starken Windes und aus Respekt vor möglichen starken Turbulenzen, ging es mal nicht um den Berg, sondern über den Gipfel, mit nicht weniger grandiosen Blick auf das Zugspitzplatt. Für jemanden, der vor 21 Jahren zum ersten Mal über die Zugspitze flog, war das aber auch erschreckend zu sehen, wie sehr die Gletscher geschrumpft und zum Teil auch nicht mehr existent sind.

Beim Weiterflug tauchte man aber gedanklich schnell wieder ein in die magische Gebirgswelt. Die Strecke führte gen Osten über die Wildflusslandschaft im Isartal mit dem breiten Kiesbett, das im Sylvensteinsee endet. Im Norden ziehen der Walchensee, Tegernsee und Schliersee vorbei, bis man am Wendelstein ankommt. Beeindruckende Bauten wie die Bergwetterwarte und das Observatorium, sowie die Sendeanlagen zieren dichtgedrängt seinen Gipfel. Nur wenig darunter liegen die Bergstationen der Wendelstein-Seilbahn und der Wendelstein-Zahnradbahn.

Mit leichter Kursänderung ging es dann vorbei am Kaisergebirge und den schroffen steilen Felswänden des Wilden Kaisers. Dann kam das bange Warten auf den ersten verständlichen Funkverkehr vom Flugplatz mit „Zell Radio …“, der ab Saalfelden am Steinernen Meer, mit freiem Blick auf den See, auch klar verständlich war. Da erfolgte dann der eigene Funkspruch mit Ankündigung zur Landung. Was den Anflug von Norden kommend so besonders macht, ist die gleiche Route für den an- und abfliegenden Verkehr, die nur über die Mindest-, bzw. Maximalhöhe separiert sind. Der Anflug erfordert volle Konzentration, denn vor dem Anflug auf Piste 08 geht es über die Seemitte in den Gegenanflug sehr nahe am Hang entlang.

Nach dem Tanken, Abstellen auf dem Vorfeld und Bezahlen der Landegebühr, ging es in das nicht nur unter Piloten bekannte und beliebte Flugplatzrestaurant „Die Fliegerei“. Das Essen ist sowohl eine optische Augenweide wie auch ein besonderer Gaumengenuß. Von der Terrasse hat man neben dem Blick auf den Flugbetrieb und das Vorfeld auch das berauschende Alpenpanorama, u.a. auf das 3.203m hohe Kitzsteinhorn.

Da uns über eine Stunde bis zum spätesten geplanten Abflugszeitpunkt zur Verfügung stand nutzten wir die Gunst der Stunde, mieteten ein Leihrad und radelten den See entlang nach Zell am See. Bei blauem Himmel und im T-Shirt ging es am Ufer entlang, mit sich im Wasser spiegelnden Bergen. In Zell am See angekommen wurden mit einem Eis in der Hand die vor der Uferpromenade mit Musik untermalten tanzenden Wasserfontänen bewundert, bevor es wieder zum Flugplatz zurück ging.

Nur wenige Minuten nach 14 Uhr war die Super Dimona wieder in der Luft. Nach dem Pflichtmeldepunkt November konnte es in den Steigflug gehen. Unter Nutzung des Hangwindes schraubten wir uns in mehreren Schleifen auf 3.000 Meter Höhe, um dann sicher nach Norden über das Steinerne Meer zum Königssee zu fliegen. Neben dem Watzmann passierten wir auch das historische Kehlsteinhaus (auch bekannt als „Adlernest“). Von dort ging es über Berchtesgaden und Bad Reichenhall Richtung Chiemsee und München. Beim Überfliegen des kräftig grün leuchtenden Flusses zwischen Chiemsee und München verriet der Blick auf die Karte, dass es sich um den Inn handelte. Fliegen bildet!

München wurde im Norden überflogen. Von dem ehemaligen Flughafen Riem,  dem heutigen Messegelände, ist nicht mehr viel zu erkennen., Dann ging es über den Englischen Garten zum Olympiastadion und weiter nach Westen. Auf der weiter südlich gelegenen Theresienwiese waren noch die Zelte vom beendetem Oktoberfest zu erkennen.

Nach einer kurzen Zwischenlandung in Biberach an der Riß ging es dann zur letzten Etappe zum Heimatplatz Wächtersberg. Dort landeten wir um 18:08, also 43 Minuten vorm Sonnenuntergang und nach glatten 5 Stunden Flugzeit. Auf uns wirken eine riesige Ladung an optischen und kulinarischen Eindrücken, sowie einige Erfahrungen nach. War das ein Tag! Mehr hätte man kaum erleben können!

A.Klos