Flug zum Matterhorn
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Flug zum Matterhorn

Manchmal bedarf es eines Impulses von außen und Überwindung, dann kann man sich aber auf einen unvergesslichen Flug begeben, bei dem man Eindrücke und gemachte Erfahrungen gewinnt, von denen man noch lange zehren kann.

Vor Monaten kam Roland, ein ehemals aktiver Pilot im Verein, auf mich zu, mit der Idee, zum Matterhorn zu fliegen. Zunächst zögerte ich, da ich in den 21 Jahren, in denen ich motorisiert fliege, noch nie mit Flugplan und in die Schweiz geflogen war. Aber das war nun ein Anlass sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nach eigenen Recherchen und Gesprächen mit erfahrenen Piloten, waren die Grundlagen gelegt, für die Vorbereitung und Durchführung eines solchen Fluges.
Inspiration und auch nützlich waren zudem Videos auf Youtube von Piloten, die zum Matterhorn flogen, insbesondere von Frans auf seinem Channel „Euro Aviators“ der Film „VFR crossing over Swiss Alps to Italy | Freiburg (EDTF) ✈︎ Aosta (LIMW)“. Sein Film enthält auch die Kommunikation mit den Lotsen, was einem eine Vorstellung gibt, wie die Kommunikation abläuft.

Mit dem Vereinsflugzeug, einer Super Dimona, ist eine Duration von vier Stunden möglich und so war mit der berechneten 2:59h Flugzeit genügend Reserve drin, für die angedachte Route.

Nach mehreren Hochdruckwetterlagen mit wolkenlosem Himmel, aber leider auch kräftigem Wind, war es am Mittwoch, den 23.März 2022, soweit, denn über fast ganz Europa war keine Wolke am Himmel (Satellitenbild NASA Worldview) und zudem kaum Wind. Spannend war zudem, zu sehen, wie stark der ein paar Tage vorher nach Europa geblasene Saharastaub auf dem Schnee zu sehen wäre.

Zunächst ging es vom Wächtersberg nach Freiburg, um dort vollzutanken und ab dort mit dem aufgegebenen Flugplan in die Schweiz zu fliegen, ohne aber dort zu landen. Ziel war der in Österreich gelegene Flugplatz Hohenems/Dornbirn.
Nach dem Start ging es vorbei am Belchen und der Einflug in die Schweiz war östlich von Basel über den Rhein. Zuvor war schon Kontaktaufnahme mit FIS (FlugInformationsService) Zürich, der uns erst mal warten ließ (D-KSFU standby), so auch andere Piloten, wurden wir nach ein paar Minuten dann aufgefordert unsere Nachricht zu übermitteln. Diese beinhaltete neben der Flugzeugkennung u.a. die geplante Route, woraufhin der nächste zu meldende Wegepunkt vorgegeben wurde. Die Kommunikation fand auf englisch statt. So ging es nach dem VOR Willisau in westliche Richtung nach Thun. Bereits hier war, über der Bodeninversion fliegend, ein beeindruckendes Alpenpanorama zu sehen. Der Lotse übergab uns nach FIS Genf und wir drehten auf Südkurs auf die Eiger Nordwand zu. Bis dorthin befanden wir uns im Steigflug auf rund 3.500 Meter, um dann vorbei am Mönch übers Jungfraujoch „zu hüpfen“ und den riesigen Aletschgletscher hinabzufliegen. Am Ende des Gletschers war dann das 60 Kilometer entfernte Matterhorn zu sehen. Es ging vorbei an beeindruckenden Gletschern und drei über 4.500 Meter hohen Bergen, dem Dom, dem Weisshorn und der Dufour-Spitze, mit 4.634 Metern der höchste Berg der Schweiz.

Vom Materhorn aus zu sehen: der 70km entfernte Mont Blanc

Dann war der große Moment gekommen: wir sahen noch kurz noch den 70 Kilometer westlich gelegenen Mont Blanc und flogen vorm Matterhorn eine Schleife, vor diesem freistehenden majestätisch emporragenden markanten Berg. Der Gipfel des Matterhorns thronte weitere eintausend Meter über uns – was für ein Anblick! Noch dazu mit unglaublich klarer Fernsicht und wunderschön blauem Himmel.

Nach einem Vorbeiflug am Gornergrat Observatorium (3.135 m) ging es ein Stück zurück Richtung Aletschgletscher, bogen ab Richtung Osten, vorbei am Rhone-Gletscher, dessen Wasser durch den Genfer See und anschließend ins Mittelmeer fließt. Ein paar Kilometer weiter, nach dem 2.429 Meter hoch gelegenen Furka-Pass, dem Ort Andermatt und dem Oberalp-Pass ging es vom Rheinquellgebiet Richtung Chur. Sehenswert war die Rheinschlucht und die beeindruckende große Felswand bei Pinut. Nach dem Schwenk nach Norden, vorbei an Lichtenstein, ging es zur Landung in Hohenems/Dornbirn. Beim Anflug gilt es die Anflugroute penibel einzuhalten, um nicht bewohntes Gebiet zu überfliegen. So fragte der Flugleiter, ob ich vertraut wäre mit dem Anflugverfahren und gab sich hörbar zufrieden, als die Antwort lautete: „ja, vorbei am Baumarkt, dann erst eindrehen in den Queranflug“.

Nach der Landung rollten wir zur Tankstelle. Vom Tower bekommt man den Chip für die Zapfsäule herabgeworfen, der dann an einem Fallschirm(!) herabgleitet – ein einmaliges Erlebnis !

Auf der Dachterrasse des Flugplatzrestaurants war dann Zeit die Eindrücke sacken zu lassen. Nach 512 Kilometern und weniger als drei Stunden Flugzeit waren so viele Eindrücke zu verdauen, bevor es zur letzten Etappe über den Bodensee und der Schwäbischen Alb zum Heimatflugplatz ging.

An diesem Tag war Einiges für mich erstmalig: unter anderem der erste Flug mit Flugplan und in die Schweiz, sowie die höchste geflogene Höhe. Es lief alles fast schon besser als erwartet und macht Lust auf mehr!

Armin Klos